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26.05.2019, 10:33 Uhr
Naturschutzverordnung entzieht Landwirten die Lebensgrundlage CDU-EU-Abgeordneter Jens Gieseke zu Besuch auf dem Betrieb Freese in Strackholt – Landkreis trägt die Verantwortung

Strackholt. Der Landkreis Aurich hat eine Naturschutzverordnung für das „Fehntjer Tief und Umgebung“ auf den Weg gebracht, die einer Vielzahl von Landwirten die Lebensgrundlage entzieht. Aus diesem Grunde hat Kreistagsmitglied Hinrich Tjaden aus Ihlow den Europaabgeordneten Jens Gieseke und den Fehntjer Bürgermeister und Landratskandidaten Olaf Meinen eingeladen, um Hilfe zu fordern.

Die Ansage an Gieseke lautet: Die EU verlangt die Ausweisung von FFH- und Vogelschutzgebieten und ihre Unterschutzstellung durch nationales Recht. Sie macht damit vielen Landwirten in der Gemeinde Großefehn das Leben schwer, wenn nicht gar unmöglich.

Zu denjenigen, die aufgeben müssen, wenn der Kreistag die geplante Naturschutzverordnung verabschiedet, gehört Arno Freese. Rund 24 Hektar seiner Flächen liegen am Bagbander Tief, das kaum 100 Meter von seiner Hofstelle verläuft. Heute weiden seine 65 Milchkühe tagsüber auf diesen Flächen und kommen nachts auf kurzem Wege zum Melken in den Stall. Freese kann deshalb am Weidemilch-Programm der Ammerland-Molkerei teilnehmen, wofür er einen Cent pro Liter Milch zusätzlich erhält. Mit dieser Naturschutzverordnung ist damit Schluss. Sie erlaubt nur noch zwei Großvieheinheiten pro Hektar - der Landwirt muss also seine Kühe im Stall lassen. Das, was alle wünschen und auch für das Tierwohl das Beste ist, Weidehaltung, verwehrt ihm dann der Naturschutz.

Damit aber nicht genug. Der Landwirt darf die Fläche auch kaum noch düngen, weshalb er auch viel weniger Futter von seinem Eigentum erntet. Dieses Futter muss er dann auf dem Weltmarkt teurer und mit Preisschwankungen zukaufen. Und seine Gülle muss er teuer von Fremdfirmen abholen lassen, die mit ihren Transporten dann auch noch die Straßen und das Klima belasten.
Das, so Freese gegenüber Gieseke, ist alles schon schlimm genug. Das schlimmste ist aber: „Ich habe in den vergangenen Jahren investiert. Meine Flächen dienen auch als Sicherheit für meine Bank. Stehen die Flächen unter Naturschutz, sind sie nicht einmal mehr die Hälfte wert. Die Bank wird nach neuen Sicherheiten fragen – doch wo soll ich die hernehmen.“ Für Arno Freese ist deshalb klar: Die Naturschutzverordnung ist das Ende seines Betriebes. Keiner seiner zwei kleinen Söhne (7 und 4) wird die Familientradition fortsetzen können.

Der Europaabgeordnete Jens Gieseke war von Freeses Schilderungen sichtlich entsetzt; keine Politik dürfe solche Folgen haben. Das sei ein enteignungsgleicher Eingriff. Doch wer ihn als Mitglied des Umweltausschusses oder die EU insgesamt dafür verantwortlich mache, der beschuldige den Falschen. Die EU schreibe gerade nicht vor, wie FFH- und Vogelschutzgebiete unter Schutz zu stellen seien. Naturschutzgebiete seien nicht zwingend vorgeschrieben. Das mit viel weniger Auflagen verbundene Landschaftsschutzgebiet, den die Landwirte ja auch forderten, sei genau so gut möglich. Dafür sei nicht Europa sondern der Landkreis zuständig.

Die EU schreibe den Verantwortlichen vor Ort sogar vor, bei der Unterschutzstellung einen Ermessensspielraum zu nutzen, also in ihrer Verordnung Naturschutz gegen kulturelle, ökonomische, eigentumsrechtliche, wirtschaftliche und soziale Auswirkungen abzuwägen. Wie er die Situation vor Ort jetzt kennengelernt habe, könne er einen Abwägungsfehler nicht ausschließen. Gieseke verabredete mit den anwesenden Landwirten und den Landvolkvertretern aus Leer und Aurich, eine dringende Anfrage an die EU-Kommission zu stellen. Die solle beantworten, ob das FFH- und Vogelschutzgebiet rund um das Fehntjer Tief zwingend unter Naturschutz gestellt werden müsse. Die Direktion Umwelt der Kommission sei verpflichtet, diese Frage innerhalb von sechs Wochen zu beantworten.

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